11.02.2009

zu Kreuze kriechen

Absoluter Wahnsinn ereignet sich ja erfahrungsgemäß während des Ausübens augenscheinlich simpler Tätigkeiten. Wie zum Beispiel beim Unterschreiben eines Vertrages in sechsfacher Ausführung. Schlimm genug, dass ich mich allein dafür (ok, die überfälligen Bücher hab ich dann nebenbei eben auch gleich der Bibliothek zurück gegeben) durch den Schneesturm zur Uni kämpfe mit der Metro fahren lasse. Angekommen schaut die Kereszt néni so, als hätte sie mich noch nie im Leben gesehen. Ich weise freundlich lächelnd darauf hin, dass ich zum Unterschreiben gekommen bin. Sie mault zurück, dass ich am Freitag kommen soll. Ich sage noch beherrscht aber mit bestimmt kraftvoller Stimme, dass wir vor zwei Tagen aber vereinbart haben, dass ich heute vorbeikommen soll (ihre Bitte, nicht mein Wunsch!) um zu unterschreiben und dass ich allein deswegen heute ins Institut gekommen bin. Sie bittet pampig um ne Viertelstunde Bearbeitungszeit. Ich lasse mich also von der weltbesten Chefin ein bisschen aufmuntern indem ich mir ihre letzten AbentUngeheuerlichkeiten mit der lieben Kereszt néni erzählen lasse und im Handumdrehen lächle ich wieder fröhlich, obwohl die liebste Chefin mit dem Kollegen zum Mittagessen verabredet ist und mich in der Höhle Hölle des absoluten Wahnsinns zurücklassen muss. Ich lese Proust und als die Schritte nicht über den Gang an mir vorbeitappen, sondern tatsächlich zu mir finden, ist eine dreiviertel Stunde vergangen und der Vertrag wedelt vor meiner Nase hin und her. Die liebe Kereszt néni hat in 10 Minuten Feierabend & sich um einige bereits abgearbeitete Stunden zu meinen Ungunsten verrechnet. Ich weise sie freundlich darauf hin, sie verschwindet und zählt von vorne meine Stunden nach. Ich warte. Ich entdecke einen weiteren Fehler in einem von mir zu unterschreibenden Wisch, meine alten Stunden aus 2008 betreffend; ich will ihr hinterher, damit sie das auch gleich ändert doch sie ist zwar nicht zum 3. Mal auf Toilette, allerdings am Telefonieren. Ich warte. Ich knirsche mit den Zähnen und frage mich was daran so schwierig sein soll, einige Zahlen, genaugenommen eine sieben nach der anderen dazu zu addieren. Mir fällt auf, dass die Tür, die die Sicht auf den Flur freigeben würde von ihr geschlossen wurde, als sie zurück in ihr Zimmerlein ging und so überlege ich, ob es ihr tatsächlich an derartiger Dreistigkeit zu unterstellen sein kann, dass sie jetzt sang- und klanglos einfach nach Hause tippelt. Zehn Minuten nach ihrem Feierabend kommt sie doch noch herein. Der Vertrag ist ok, ich weise auf den anderen Fehler hin, sie verschwindet. Binnen Sekunden hab ich meine sechs Unterschriften gesetzt, gehe über den Flur – begrüße die Chefin, die vom Mittagstisch zurück ist und leicht verwundert dreinschaut – und will den neu ausgedruckten Wisch über die alten Stunden unterschreiben. K. néni beginnt ihn auszudrucken, ich warte, ich unterschreibe, sie braucht noch ne Unterschrift auf nem dritten Formular, ich warte, sie druckt, ich warte, ich unterzeichne. Sie zählt alles nochmal genau nach. Zum Abschied ist sie so freundlich mir tatsächlich zu versprechen, dass sie sich darum kümmere, die Sachen zu bearbeiten. Ach, wie nett, Danke! Früher, ja da dachte ich noch für sowas sei die K. néni da, aber mittlerweile habe ich einiges dazu gelernt, wenn es darum geht, zu Kreuze zu kriechen. Ich warte dann mal auf die Bearbeitung…

PS: Neues von der K. néni gibt es frühestens in anderthalb Wochen, altes gibt es zum fröhlichen (schauerlichen?) Nachlesen.

10.12.2008

vor der Nase

schloss Kereszt néni mir die Tür zu und lies sich auch nicht dazu herab, zu grüßen. Ich war schließlich auch 10 Minuten zu spät. Bei solchen Aktionen könnt ich glatt zu einer Art B.A.f.H. mutieren!

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